Europabericht für Sommergerste – Mitte August 2018

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Kompromissfähigkeit der Verarbeiter ist gefragt

Braugerste wird in der EU in den kommenden Monaten ein knappes Gut sein. Eine mögliche höhere Ernte aufgrund einer größeren Fläche wurde von der lang anhaltenden Trockenheit deutlich dezimiert. Zudem sind die Proteinwerte sehr hoch. Die Kompromissbereitschaft der Verarbeiter wird gefragt sein Die Branche ist bereits mit einem knappen Überhang in die diesjährige Ernte gegangen. Die EU wird Importbedarf haben.

Vor Allem Nordeuropa hatte bekanntlich unter der Trockenheit und Hitze zu leiden. Die deutlich niedrigen Erträge in Dänemark zeigen das Ergebnis. Auch der Eiweißgehalt liegt über dem gewünschten Niveau. Somit wird das Exportpotential von der Kompromissbereitschaft von Mälzern und Brauern abhängen. Aktuell wird es bei lediglich 200 000 bis 500 000 t gesehen. In anderen Jahren sind 1,0 Mio. t durchaus normal. Ausschlaggebend werden auch die Prämien zur Futtergerste für die Landwirte sein, ob sie ihre Gerste als Braugerste verkaufen werden. Aus Schweden wird kein Exportüberschuss erwartet. Die Erträge liegen bei 50 % eines normalen Jahres, die Eiweißwerte ebenfalls sehr hoch. Finnland hat mit der Ernte erst begonnen. Die Erträge werden aber auch hier mit einem Minus von 25 % angesetzt. Importbedarf wird nicht ausgeschlossen. Frankreich hat eine gute Ernte eingefahren. Die Produktion bei der Sommergerste liegt auf Vorjahreshöhe, trotz einer kleineren Fläche, aber eines etwas höheren Ertrags. Der Exportüberschuss in Höhe von 1,0 Mio. t könnte für Entlastung sorgen. Auch französische Winterbraugerste könnte das Defizit beispielsweise in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ausgleichen. Wintergerste generell wird aber eher im Futter verwendet werden. Zudem spielt die schwierige Logistik eine wesentliche Rolle. Abgesehen von den niedrigen Wasserständen auf den Flüssen sind LKW und noch mehr deren Fahrer Mangelware. Die britischen Farmer sind noch mit der Ernte beschäftigt. England und Wales sind bereits gut vorangekommen. Schottland hat noch einiges zu ernten. Niedrigere Erträge und hohes Protein kennzeichnen auch hier die Ernte. 300 000 t Exportpotential besteht aus England und Wales.

Die deutsche Sommergerstenernte ist von deutlich unterdurchschnittlichen Erträgen und stark erhöhten und schwankenden  Eiweißgehalten gekennzeichnet. In Niedersachsen ist beispielsweise die Rede von 30 bis 40 Prozent Ausfall. Der Bedarf der Mälzereien von 2,4 Mio. t in Deutschland kann aus den eigenen Lägern je nach Kompromissbereitschaft bei den Proteinwerten der Verarbeiter im Extremfall mit nur 530 000 t oder im günstigsten Fall mit 1,3 Mio. t gedeckt werden. Geringere Erträge von etwa 20 Prozent werden auch aus den Niederlanden berichtet.

Als sehr unbefriedigend wird die Situation in Österreich beschrieben. Regional ist die Ware nur zu 15 bis 35 % braufähig. Eiweißwerte von  bis zu 19 %  bei sehr schwachen Erträgen wurden gemessen. Ohne Exportüberschuss geht auch Tschechien aus der Ernte. Eher ist die Rede von einem Importbedarf. Auch bei der Wintergerste wird von einem Defizit von 20 000 t ausgegangen. Ähnlich zeigt sich die Situation in der Slowakei. Polen und Ungarn können ebenfalls keine besseren Ergebnisse vorweisen.

Das Defizit an Sommerbraugerste in der EU wird in diesem Jahr zwischen 500 000 t bis 800 000 t gesehen. Entscheidend in der ganzen EU wird die Kompromissbereitschaft der Verarbeiter bezüglich der Qualität sein. Erschwerend kommt hinzu, dass die Malzindustrie in diesem Jahr stärker als in anderen Jahren mit der Futtermittelindustrie konkurriert. Hier ist die Versorgung aufgrund der Trockenheit ebenfalls eng. In der Branche wird davon ausgegangen, dass die Situation während des Wirtschaftsjahres angespannt bleiben wird. Die Brauer halten sich mit  Äußerungen zu noch benötigten Mengen zurück. Der Blick bei der Versorgung ist bereits auf das Drittland gerichtet. Kanada leidet aber ebenfalls unter trockenen Bedingungen und hat Gerste nach China verkauft. Aus Australien wird ebenso eine heterogene Ernte erwartet. Bleibt Argentinien. Aber auch von hier aus fließt Ware nach China. Zudem besteht die Besonderheit, dass 300 000 t in die EU aus dem Drittland mit einem Zollsatz von 16 €/t eingeführt  werden können. Für weitere Mengen werden 93 €/t erhoben.

Mitte August  werden fob Dänemark Basis Oktober Kurse von 247,00 bis 250,00 €/t genannt. Das Niveau in Großbritannien liegt bei 246,00 €/t. Am Oberrhein werden Kurse von 278,00 bis 280,00 €/t für Oktober/März aufgerufen. Fob Mosel liegen die Kurse bei 260,00 €/t  Basis Juli.

Der Erntebericht für Europa wurde uns freundlicherweise von Frau Hofnagel, Agrarzeitung, zur Verfügung gestellt.

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