Europabericht für Sommergerste Mai 2018

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Mehr Fläche bedeutet nicht mehr Braugerste

Der nasse Herbst im vergangenen Jahr und das feuchte kalte Frühjahr zeigen ihre Wirkungen auf den Anbau von Sommergerste in Europa in diesem Jahr. Häufig fällt die Fläche größer aus. Genauso oft ist die Saat aber auch verspätet ausgebracht.

Die Fläche für Sommergerste wurde in den meisten Ländern Europas aufgrund des nassen Herbstes ausgedehnt. Damit ist aber nicht gewährleistet, dass auch mehr Braugerste zur neuen Ernte zur Verfügung stehen wird. Die verzögerte Aussaat zu nicht immer optimalen Bedingungen kann für weniger Ertrag verantwortlich sein. Zudem gab es nicht immer das gewünschte Saatgut. Auf den höheren Bedarf waren die Züchter nicht eingestellt, und die Qualität des Saatguts ist aufgrund des schwierigen Erntewetters im vergangenen Jahr oft beeinträchtig. Darüber hinaus bauen in diesem Jahr auch Landwirte Sommergerste an, ohne über Erfahrung mit diesem Betriebszweig zu verfügen. Marktbeobachter halten es durchaus für möglich, dass die kommende Ernte zu einem nicht unerheblichen Teil in den Futtertrog wandern könnte.

Der nasse Herbst vor Allem im Norden Europas hat die Aussaat von Winterungen häufig nicht ermöglicht. Eine Ausnahme bildet Frankreich: Hier wurde der Rapsanbau ausgedehnt(siehe Tabelle). Das hat die mögliche Fläche für Sommergerste reduziert. Hinzu kamen Verspätungen von etwa drei Wochen bei der Aussaat aufgrund der vielen Regenfällen. Anstatt der geplanten 500 000 ha wurde die Fläche noch einmal auf 470 000 ha reduziert. Zudem waren Anfang April nur 80 Prozent der Fläche gesät. Im vergangenen Jahr waren es bereits 100 Prozent. 30 Prozent der Pflanzen aufgelaufen. 2017 waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 80 Prozent. Auch in Großbritannien war das Frühjahr kalt und nass und bis Ende März war in England und Wales keine Saat ausgebracht. Anfang April lag der Fortschritt bei der Aussaat bei 40 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es zu dieser Zeit 50 Prozent. Auch in Schottland sind erst fünf Prozent der geplanten Fläche ausgebracht. Damit finden auch hier die Arbeiten tendenziell später statt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass es bei der Aussaat von Sommergerste mangels Alternativen bleibt.

Die Fläche in Dänemark wird voraussichtlich deutlich auf 685 000 ha ausgedehnt. Der geplante Winterweizen konnte wegen der nassen Witterung nicht ausgebracht werden.  Allerding ist die Aussaat der Sommergerste auch um zwei bis drei Wochen verspätet. Auch die Schweden rechnen mit mehr Fläche. Hier findet die Aussaat ebenfalls verspätet statt. Anfang April war noch keine Sommergerste im Boden. Für die KW 15 rechnen Marktbeobachter mit  verstärkten Aktivitäten. In Finnland wird mit den Arbeiten für die letzte Woche im April bis Mitte Mai gerechnet.

Auch in Deutschland wird mit einer etwas  größeren Fläche von 385 000 ha  gerechnet. Der Schwerpunkt des Zuwachses liegt in Norddeutschland. Generell sind die Arbeiten teilweise um rund drei Wochen verzögert und auch sehr weit auseinandergezogen. Erste Saat wurde regional bereits im Februar ausgebracht. Andere Landwirte konnten die Flächen erst Anfang April befahren. Regional sind auch schon 60 Prozent bestellt. In Thüringen sind sogar  80, in Baden-Württemberg 95 Prozent der Saat ausgebracht und die Pflanzen bereits aufgelaufen. Auch in den Niederlanden wird etwas mehr Fläche erwartet. Hier gehen Marktteilnehmer bereits von niedrigeren Erträgen aufgrund der späten Aussaat aus. Etwas kleiner wird die Fläche in Österreich ausfallen. 70 Prozent der Saat ist allerdings ausgebracht, wenn ebenfalls verspätet.

Eine kleinere Fläche und verspätete Aussaat von ebenfalls zwei bis drei Wochen charakterisieren die Bedingungen in Ungarn. Mit 70 Prozent Aussaat bis  Anfang April und einer Verspätung von 15 Tagen sind die Aussaatbedingungen in Polen charakterisiert. Ab Anfang April sind die Witterungsbedingungen für die etwas größere Fläche gut für die restliche Aussaat. Auch in Tschechien wird von einer leicht größeren Fläche und einer Verspätung von rund zehn Tagen berichtet. Mittlerweile ist hier von trockenen  Bedingungen  und notwendigem Regen für einen guten Auflauf der Pflanzen die Rede. In der Slowakei bleibt die Fläche gut behauptet. Der Südosten des Landes hat nach überdurchschnittlichen Regenfällen immer noch unzulängliche Bodenbedingungen.

Aus heutiger Sicht ist  von einer leichten Unterversorgung mit Sommergerste in Europa auszugehen. Die Partien aus der vergangenen Ernte zeigen aufgrund des schwierigen Erntewetters nicht immer die gewünschten Qualitäten. Der Anschluss an die neue Ernte könnte knapp werden. Abschlüsse wurden bereits getätigt. Anfang April werden für die alte Ernte Basis April Kurse von 178,00 €/t fob Dänemark und 180,00 €/t fob Großbritannien genannt.  Franko Oberrhein sind Kurse von 224,00 bis 226,00 €/t zu hören. Für die neue Ernte werden  Basis Oktober Kurse von 186,00 €/t fob Großbritannien genannt. Fob Dänemark sind nur 180,00 €/t verlangt. In dem Preisunterschied spiegelt sich die Sorge um die Ware in Großbritannien wider. Franko Oberrhein sind  216,00 bis 218,00 €/t zu hören. Allerdings bewegen sich die Prämien für eine Braugerste der neuen Ernte bei guten 30,00 €/t zur Futtergerste und stellen damit ein interessantes Preisniveau dar. Abschlüsse seitens der Landwirte werden aus Sorge vor der Erfüllung der Qualitäten im Moment kaum getätigt. Aus der alten Ernte sind Futter- und Braugerste fast gleichpreisig.

Die Daten wurden uns freundlicherweise von Frau Hofnagel, Agrarzeitung zur Verfügung gestellt

 

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