Europabericht für Sommergerste im Dezember 2017

Tabelle zum Download >>hier

Versorgung mit Sommerbraugerste bleibt ungewiss

Wintergerste gleicht die europäische Bilanz aus

Die Versorgung mit Sommerbraugerste in Europa in diesem Jahr bleibt ungewiss. In einigen Regionen haben die Qualitäten sehr gelitten. Zugeständnisse der verarbeitenden Industrie sind erforderlich. Gute Ware ist aber bereits gehandelt.

Die Qualitäten aus Frankreich bleiben im Großen und Ganzen gut. Auch wenn der Proteingehalt regional als hoch bezeichnet wird, sind 60 Prozent der Sommergerste als Braugerste einzusetzen. Die Exportmöglichkeiten an Sommergerste bleiben bei rund 1,0 Mio. t. Der Export an Winterbraugerste könnte rund 2,0 Mio. t betragen. Aus Großbritannien dagegen wird von einem ungewissen Anteil an braufähiger Gerste speziell in England und Wales gesprochen. Die Ernte ist von sehr unterschiedlichen Qualitäten geprägt. Hohes Protein, Auswuchs und verdeckter Auswuchs sind die Themen. In Schottland dagegen wird von einer guten Ernte mit 10,0 bis 10,5 % Eiweiß berichtet. Die Ware wurde zwar auch feucht eingefahren, von weiteren größeren Qualitätsverlusten war aber keine Rede. Dennoch wird beim Export anstatt eines Anteils von 500 000 bis 600 000 t in diesem Jahr nur mit einem Überschuss von 100 000 bis 200 000 t gerechnet. In Dänemark dagegen ist nach wie vor von einer guten Ernte mit guten Qualitäten die Rede. Auch wenn die Fläche reduziert wurde, kennzeichnet ein Überschuss in Höhe von 950 000 t die Marktlage. Mindestens 50 Prozent sind bereits verkauft. Die Ernte in Schweden wird insgesamt als gut bezeichnet, wenn auch drei Wochen verspätet eingebracht. In Mittelschweden konnte aufgrund schlechten Wetters nicht alles geerntet werden. Überdurchschnittliche Erträge in anderen Regionen konnten ausgleichen. Die Erträge in Finnland in den Hauptanbaugebieten sind gut ausgefallen. Probleme mit den Qualitäten gab es auch hier aufgrund des vielen Regens. Die Ernte zog sich teilweise bis in den Oktober hinein.

Die deutsche Sommergerstenernte ist unter anderem durch einen großen Anteil an hohen Proteinen gekennzeichnet. In manchen Anbauregionen liegen die Werte bei mehr als 50 Prozent der Menge über dem geforderten Bereich der Brauwirtschaft. Die Branche reagiert laut Braugerstengemeinschaft e.V., München, mit Zugeständnissen im Eiweißbereich und auf die teilweise gravierenden Mängel der Gerste, die sich oft aber erst nach der Lagerung zeigen. So könnte in Deutschland rein rechnerisch bei einem Proteingehalt von 11,5 % nur von einem Anteil an Sommerbraugerste von 550 000 bis 600 000 t ausgegangen werden. Mit 12 % könnte der Anteil auf 800 00 bis 850 000 t wachsen. Entscheidend ist, was noch aus den Lägern kommt. Von relativ guten Qualitäten wird aus den Niederlanden berichtet. Die Fläche wird allerdings von Jahr zu Jahr reduziert. Die Ernte in Österreich war in den meisten Regionen von extremer Trockenheit und daraus resultierenden schwachen Erträgen gekennzeichnet. Aus Ungarn wird von einer sicheren Versorgung dank der Wintergerste berichtet. Die Qualität der Gerste in Tschechien wird bezüglich Vollgerste und Protein heterogener als in den vergangenen Jahren bezeichnet. Hohe Eiweißwerte zwischen 9 und 16 Prozent kennzeichnen die Ernte. Auch wenn die Versorgungslage als ausgeglichen bezeichnet wird, fließt Ware aus der Ukraine nach Tschechien. Ähnliche Qualitätsergebnisse gibt es aus der Slowakei. Die Ernte konnte aber unter trockenen Bedingungen eingefahren werden. Die physische Erscheinung des Getreides wird als gut bezeichnet mit wenig Gefahr von Keimen oder Gushing. Die Erntebedingungen für die Sommergerste in Polen waren ebenfalls eher schwierig. Betroffen ist vor Allem der Norden des Landes. Krankheiten und Auswuchs sind die Hauptsorgen. Lediglich rund 30 Prozent der Ernte ist hier für die Brauindustrie geeignet. Keine Probleme gab es im Süden des Landes.

Die Bilanz in Europa wird bei der Sommerbraugerste mit minus 200 000 bis minus 300 000 t gesehen. Dieses Defizit kann aber mit Hilfe von Winterbraugerste ausgeglichen werden. Somit könnte ein Plus an Sommer- und Wintergerste gemeinsam von 500 000 bis 700 000 t entstehen. Die Brauer warten im Moment mit weiteren Käufen ab. Mindestens rund 25 bis 40 Prozent müssen aber laut Marktteilnehmern noch gedeckt werden. Die Preise in Europa ziehen Ende November an. Die Unsicherheiten über die Qualitätsprobleme unterstützen. Fob Dänemark werden Ende November 193,00 €/t für Januar /März genannt. Großbritannien hat einen Preis von 195,00 €/t. Er ist aber eher nominell zu verstehen. Die Eiweißwerte der Gerste sind zu hoch und es handelt sich häufig um zurückgehandelte Ware. Franko Oberrhein sind Kurse bis 228,00 €/t aufgerufen. In Süddeutschland werden bis zu 231,00 bis 233,00 €/t gezahlt. Hoffnung legen die Brauer auf die Ernte 2018. Die Anbauflächen in einigen Ländern Nordeuropas sollen aufgrund der schwierigen Aussaatbedingungen in diesem Herbst ausgedehnt werden. Die Rede ist von einem möglichen Plus in Höhe von 40 000 bis 150 000 ha in Schweden und 100 000 ha in Dänemark. Ebenfalls in Polen und im Baltikum werden Anbauausdehnungen erwartet. Auch die Landwirte in Großbritannien werden weiter auf Sommerungen setzen, um den Ackerfuchsschwanz in den Griff zu bekommen. Damit könnten die Preise im Vorgriff auf ein höheres Angebot aus der kommenden Ernte möglicherweise auch schon für die Gerste aus 2017 nachgeben. Die Preise ziehen aber auch hier an: Fob Dänemark im Oktober 2018 liegen sie bei 180,00 €/t.

Die Daten wurden uns freundlicherweise von Frau Hofnagel, Agrarzeitung zur Verfügung gestellt.

 

 

Kontakt

Telefon

089 / 286604-31

E-Mail

koenig@braugerstengemeinschaft.de; kramer@braugerstengemeinschaft.de

Geschäftsstelle

Die Geschätsstelle der Braugersten-Gemeinschaft e.V. befindet sich im MÜnchner Brauerhaus in Bürogemeinschaft mit dem Bayerischen Brauerbund e.V. Die Zentrale für beide Vereine ist über die Telefonnummer 089/286604-0 erreichbar. Geschäftsführer Dipl. Ing. Walter König ist in dringenden Fällen auch mobil unter der Nummer 0170/7846205 erreichbar

Fields marked with an * are required