Landesförderverbände

Rheinland Pfalz

Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V.
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55543 Bad Kreuznach

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Ansprechpartner ist Herr Karl Riedesser

 

Accordine und Laureate im Vergleich mit Avalon – wie stellen sich die Bestände dar?

06.07.17: Der Fachausschuss für technische Fragen (TA) der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V. besichtigte die Bestände der im „Berliner Programm“ stehenden Sommergerstensorten Accordine und Laureate und der zum Vergleich herangezogenen Sorte Avalon, die unter Praxisbedingungen angebaut wurden. Ziel war es, sich ein Bild über die aktuelle Situation der Bestände zu verschaffen und sich über die Ernteerwartungen und Marktsituation auszutauschen. Zu dieser alljährlichen Rundfahrt kommen von den Ackerbauern, dem Handel, den Mälzereien und den Brauereien entsandte Experten zusammen. Die neuen, zukunftsträchtigen Sorten jeweils eines Zulassungsjahrgangs werden einem Praxistest unterzogen, um anschließend über deren Empfehlung für die Verarbeitung in Mälzerei und Brauerei anhand möglichst realer Daten entscheiden zu können. Bei der „Großen Braugerstenrundfahrt“ in der Vorwoche im Süden des Landes konnten die in der Entwicklung früheren Bestände von den Spezialisten beurteilt werden. Nun stand die Besichtigung der neuen Sorten in den Höhenlagen noch an. Spannend war der Vergleich der Entwicklung zwischen den frühen Gebieten und den etwas späteren.

Treffpunkt für die Experten der Wertschöpfungsgemeinschaft war die Raiffeisen BAG in Blankenrath auf dem Hunsrück. Der Vorsitzende ÖR Heribert Metternich begrüßte die Fachleute und bedankte sich für die Teilnahme an der Rundfahrt.

Auch in diesem Jahr sei das Wetter in den letzten Monaten nicht optimal gewesen. Dem nassen Jahr 2016 folge nun wieder ein Jahr mit Niederschlägen, die unter dem langjährigen Mittel lägen. Insbesondere die Monate April und Mai seien zu trocken gewesen, um Spitzenbestände heranwachsen zu lassen. Die landesweiten Niederschläge Anfang Juni, um Pfingsten herum mit bis zu 40 mm, konnten nur noch einen Teil der Ernte retten. Die erste „Hitzewelle“ mit Temperaturen von über 30 °Celsius setzte dem Getreide stark zu. Deshalb ging insbesondere die Wintergerste in die „Notreife“ über. „Gerade in einem Jahr der Extreme ist eine solche Rundfahrt sehr wichtig, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen. „Nur dann können wir uns in der Wertschöpfungskette für diese Ernte ein realistisches Bild über die Menge und Qualität machen und uns entsprechend auf die Situation einstellen“, gab der Vorsitzende zu verstehen.

Zunächst fuhren die Mitglieder des Technischen Ausschusses in die Gemarkung Liesenich zu einem Feld des Betriebs Josef Treins, Forst, mit der neuen Sommergerste Accordine. Auf dem Schlag mit 14,5 ha stand als Vorfrucht Triticale und als Zwischenfrucht eine Gründüngung. Die Bodenbearbeitung erfolgte mit dem Pflug und der Kreiselegge. Nach erfolgter mineralischer und organischer Düngung mit insgesamt 90 kg N, 65 kg Phosphor und 90 kg Kali erfolgte am 17. März die Aussaat. Am 10. Mai wurde eine Pflanzenschutzmaßnahme mit einer Herbizidmischung zur Bekämpfung von nicht erwünschtem Beikraut durchgeführt. Zur Vorbeugung von Pilzerkrankungen wurde am 2. Juni noch ein Fungizid ausgebracht.

Der Bestand machte einen sehr guten Eindruck. Sowohl die Bestandesdichte als auch die Körner je Ähre waren im optimalen Bereich. „ Am 1. Mai 6 mm und an Pfingsten 20 mm Niederschlag haben zu diesem vielversprechenden Bestand geführt“, betonte Ackerbauspezialist Treins. Jetzt noch Tage mit kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen bis zur Ernte würde dem Vollkornanteil und damit der Qualität gut tun. Er rechne mit einem Ertrag von 50-60 dt/ha.

Jürgen Wilhelms, Liesenich, der die Sorte Avalon als Vergleich zu den neuen Sorten anbaute hatte einen Schlag mit 19 ha ausgewählt. Die natürliche Ertragskraft dieses Standorts wurde mit 38 Bodenpunkten eingeordnet. Nach Winterweizen und Begrünung, die untergepflügt wurde, erfolgte die Aussaat am 28. März. Entsprechend der Ertragserwartung wurde vor der Saat mineralisch gedüngt mit 100 kg Stickstoff, 50 kg Phosphor und 50 kg Kali. Am 23. Mai erfolgte die Herbizidspritzung und am 7. Juni die Behandlung gegen pilzliche Krankheiten.

Der Bestand zeigte sich in guter Verfassung. Bis auf einige Mulden und am Vorgewende war die Sommergerste sehr gleichmäßig entwickelt. Die Kornfüllungsphase war in vollem Gange. „Zum Glück hat es an Pfingsten in unserer Region 30-70 mm geregnet. Wenn es nun nicht mehr zu Temperaturen über 30 ° Celsius kommt, kann noch eine zumindest mittlere Ernte heranreifen“, so die Einschätzung von Wilhelms.

Als nächstes wurde ein Schlag mit knapp 12 ha von Ralf Reichertz in Grenderich angefahren. Vor der Saat habe er gepflügt. Am 16. März sei das Feld mit der neuenSorte Laureate bestellt worden. Einen Tag zuvor habe er pro Hektar 99 kg Stickstoff als Kalkammonsalpeter, 68 kg Phosphor und ebenso viel Kali mineralisch gedüngt. Zur Beseitigung von Gräsern und Kräutern, die um Licht und Nährstoffe konkurrieren, sei am 10. Mai ein Herbizid ausgebracht worden. Eine weitere Behandlung zur Vorbeugung pilzlicher Krankheiten erfolgte am 26. Mai. Auch seine Schläge hätten von den Niederschlägen profitieren können, die die Kollegen schon nannten.“Ich gehe davon aus, dass auch diese Sorte einen mindestens mehrjährigen gesunden Durchschnittsertrag bringt. Über die Qualität wie Vollgerste und Eiweißgehalt entscheidet die Witterung in den nächsten Wochen“, so der Ackerbauprofi. Wenn eine große länger anhaltender Hitze über 25 ° Celsius ausbleibe, sei er sehr zuversichtlich.

Nun ging es zurück nach Blankenrath, um im Kreise der Experten die Eindrücke zu diskutieren und mit den Markt- und Preisinformationen zu reflektieren. Einig waren sich alle, dass in den Höhenlagen eine bessere Braugerstenernte heranwächst, als in den Wärmelagen des Südens. Die bei der Landesbraugerstenrundfahrt in der vergangenen Woche angesehenen Sommergerstenschläge waren in ihrer Entwicklung 2-3 Wochen weiter, wie die in den späteren Lagen der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald. Bei „normaler Witterung“ bis zur Ernte könne noch „einiges Zuwachsen“, was sich in Menge und Qualität zeigen dürfte, so die vielfache Meinung der Teilnehmer.

Die Vertreter der Mälzer und Brauer schätzten die Versorgung mit alter Ware bis zur Ernte als ausreichend ein. Allerdings nicht so üppig wir ein Jahr zuvor, da die letztjährige Ernte doch in Gesundheit und Qualität unter der des Jahres 2015 lag und deshalb gute Qualitäten knapp waren.

Aus den Marktberichten der Landwirtschaftskammer ist zu entnehmen, dass sich der Preisabstand zwischen der Futter- und der Braugerste vergrößert hat. „Bis vor kurzem betrug die „Risiko-Prämie“ fast 5 €/dt“, berichtete Karl Riedesser, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft. Dies habe wohl dazu geführt, dass der weitere Rückgang bei der Anbaufläche gestoppt wurde. Das Statistische Landesamt meldete nämlich einen Zuwachs bei der Fläche von 33.700 ha um 2.500 ha auf 36.200 ha.

Im Zusammenhang mit „Regionaler Produktion“ wurde der Importbedarf an Braugerste aus anderen EU-Mitgliedsländern angesprochen. Die in Deutschland erzeugten Mengen können den Bedarf der Mälzer nicht abdecken. Der freie Handel innerhalb der EU wurde von allen befürwortet. Allerdings forderten die Vertreter der Ackerbauern, dass dabei Gleiches für alle gelten müsse. Es könne nicht angehen, dass Länder, mit denen wir im Wettbewerb stünden, bestimmte Mittel einsetzen dürften und wir nicht. „Oft führen solche Hilfen zu geringeren Kosten“, so eine Stimme konkret.

ÖR Metternich sagte am Schluss: „Die Versorgung mit eigenem, in der Region angebautem Rohstoff wird sich dann verbessern, wenn der Preis stimmt“. Die Rohstofferzeuger werden dann mehr Getreide zur Bierherstellung anbauen, wenn sich diese Kultur besser rechnet, als die, die um die Ackerfläche konkurriert.

Er bedankte sich bei den Teilnehmern dafür, dass sie sich heute Zeit genommen haben; insbesondere aber für den interessanten Gedankenaustausch untereinander.

Ein besonderer Dank ging an den Hausherrn Reiner Gewehr für die Gastfreundschaft und die Verpflegung am heutigen Tage. Er wünschte allen gute Geschäfte und eine gute Heimfahrt.

Karl Riedesser Landwirtschaftskammer, Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V.

 

Foto der Braugerstenrundfahrt 2017 zum Download –>hier

Braugerstenfahrt 2017 – reicht das Wasser für eine mittlere Ernte?

04.07.2017: Die 69. Braugerstenrundfahrt der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V. führte in diesem Jahr in den Südwesten des Landes nach Lautersheim in die Region Donnersberg. In Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum-Ländlicher Raum (DLR) Westpfalz wurde den Besuchern ein sehr ansprechendes Programm geboten. Zu diesem Branchentreff kamen die Erzeuger, der Handel, die Mälzer und die Brauer zusammen. Fast 70 Personen dieser Wertschöpfungskette machten sich auf den Weg, um sich über Neues bei der Braugerste zu informieren und fachlich auszutauschen. Die aktuellen Sorten und die Entwicklung der Bestände sorgten für viel Gesprächsstoff. Beeinflusst wurde der Gedankenaustausch natürlich von den bisher wenigen Niederschlägen in diesem Jahr, die begrenzend auf Erntemenge und Qualität wirken.

Begrüssung

Der Vorsitzende der Fördergemeinschaft ÖR Heribert Metternich, begrüßte die Teilnehmer recht herzlich. Er zeigte sich sehr erfreut darüber, dass so viele Personen sich heute Zeit genommen hatten und alle Branchen vertreten waren.

Ein besonderer Willkommensgruß erging an den Hausherrn, den Ortsbürgermeister Thomas Mattern, der die Gemeindehalle zur Verfügung stellte. Ebenso an den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim, Steffen Antweiler, den Leiter der Dienststelle DLR Westpfalz, Gerhard Stumm und an Johannes Zehfuß, Landwirt und Landtagsabgeordneter der CDU in Rheinland-Pfalz.

Metternich sprach den Respekt und die Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft an. „ Wer hat es mehr verdient als wir Bauern wertgeschätzt und geachtet zu werden? Sind es nicht wir, die täglich für den gedeckten Tisch sorgen? Immer mehr haben wir es mit Ideologen zu tun, die ihre Thesen vertreten ohne rechts und links zu schauen. Wie sollen wir 10 und mehr Milliarden an Menschen ernähren, wenn wir Landwirtschaft wie im vorletzten Jahrhundert betreiben sollen? In Russland, das bekanntlich weniger als die Hälfte unserer Getreideerträge pro Hektar erzielt, werden aus Stroh, Spelzen, Bruchkorn und Beikrautsamen Brote hergestellt, um den Mangel zu lindern“. Er wünscht sich von der Politik auf allen Ebenen mehr Unterstützung der heute zeitgemäßen Landbewirtschaftung.   Nur ein Miteinander sorge für eine ausreichende Nahrungsversorgung und eine gepflegte Kulturlandschaft. Leitgedanke müsse hierbei die „gute fachliche Praxis“ sein.

In Deutschland wird in diesem Jahr auf 340.300 ha Sommergerste angebaut. Auf 234.000 ha steht in Rheinland-Pfalz Getreide, davon nimmt die Sommergerste 36.000 ha ein. Damit hat sie einen Anteil von 15,4 % an der Getreidefläche. Da weniger Weizen im Herbst bestellt wurde stand mehr Fläche für die Sommerfrüchte zur Verfügung. Die Zuckerrüben legten um 2.700 ha (+ 16,1%) zu und 2.500 ha (+ 6,8 %) sind es bei der Sommergerste.

Nach einem Winter mit sehr wenig Niederschlag und dadurch wenig „Winterfeuchte“ konnte schon Ende Februar die Sommergerste gesät werden; allerdings in den Höhenlagen erst etwa 3 Wochen später. Die Saaten liefen recht zügig auf. Allerdings setzte dann in weiten Teilen des Landes eine lange Trockenperiode ein. Erst Anfang Juni stellten sich landesweit Niederschläge ein, die einen Wachstumsschub brachten. Nun sind wir gespannt, wie sich die Bestände präsentieren und mit welchen Erwartungen wir in die Ernte gehen können, so Metternich.

Zum diesjährigen Sortenspektrum sagte er, dass die Sorte Avalon auf 75 % der Anbaufläche stehe, gefolgt von Catamaran, die einen Anteil von 20 % einnehme. Die anderen Sorten, wie z.B. Planet stehen auf der restlichen Fläche.

Der Preis für Braugerste habe sich im Vergleich zur Futtergerste günstig entwickelt, stellte der Vorsitzende fest. Zuletzt habe der Abstand fast 5 €/dt betragen. Die „Risikoprämie“ von 4 €/dt, sei überschritten und damit der Braugerstenanbau wieder wirtschaftlich interessant; auch die Zahlen bei der Entwicklung des Anbaus würden dies bestätigen.

Die inländische Versorgung sei bis zu Ernte sichergestellt. Die in Deutschland fehlende Menge werde wie in den Vorjahren, aus umliegenden Mitgliedsstaaten der EU importiert. Allerdings müssen wir darauf achten, dass auch dieselben Bedingungen bei der Erzeugung gelten wie bei uns, so Metternich deutlich. Es könne nicht angehen, dass Glyphosat bei uns nicht zur Ernteerleichterung eingesetzt werden darf und die Engländer mit diesem „Hilfsstoff“ Kostenvorteile haben. Auch der politischen Forderung nach regionaler Erzeugung würde der Import widersprechen.

Grußworte

Ortsbürgermeister der Gemeinde Lautersheim, Thomas Mattern betonte, dass die Landwirtschaft eine immer geringere Bedeutung im Ort habe. Nur noch wenige Betriebe würden die gesamte Gemarkung bewirtschaften. Der Ackerbau dominiere in der Gemeinde.In dem landschaftlich schön gelegenen Ort fänden die Bürger eine ruhige Wohnlage. Zur Arbeit werde überwiegend ausgependelt. Da eine gute Anbindung zur Autobahn bestehe, könnten die Mitbürger rasch in die Zentren zur Arbeitsstelle gelangen.

Steffen Antweiler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim, wies darauf hin, dass der Präsident des Bauern-und Winzerverbandes Süd, Eberhard Hardelt, ein Göllheimer sei. Die günstigen Baupreise seien sehr attraktiv für die Neusiedler. Die familienfreundlichen Einrichtungen wie Kinderkrippe und Schulen seien vorhanden. Deshalb habe die Bevölkerung in den letzten Jahren wachsen können. Wie im ganzen Lande nehme die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten weiter ab. Immer weniger Bauern und Winzer würden die Äcker und Weinberge bewirtschaften. „Die immer weiter gehende Technisierung ersetzt auch in der Landwirtschaft die Menschen“, betonte er.

Der Dienststellenleiter Gerhard Stumm wies auf den umfangreichen Versuchsanbau in seinem Dienstbezirk hin. Damit werde der gezielten Vorgehensweise im Ackerbau Rechnung getragen. Die neuen Erkenntnisse würden dann über Fachmedien und aktive Beratung den Landwirten zur Verfügung gestellt. Sein Mitarbeiter Horst Häußler werde in seinem Vortrag auf die ökologischen und ökonomischen Aspekte des Sommergerstenanbaus eingehen, betonte er am Schluss.

Der Abgeordnete Johannes Zehfuß betonte seine Bodenständigkeit. „Als gestandener Landwirt bin ich in die Politik gewechselt. Ich weiß von was ich Rede!“, betonte er. Es sei an der Zeit, dass mehr Sachpolitik betrieben werde. Viele Diskussionen würden viel zu emotional geführt; insbesondere landwirtschaftliche Themen wie Tierwohl oder Pflanzenschutzmittel. Die Tier- und Umweltschutzverbände würden immer mehr Politik machen. Die große Spendenbereitschaft verängstigter Bürger sorge für gut gefüllte Kassen. Damit lassen sich groß angelegte Aktionen finanzieren“, so die deutlichen Worte von Zehfuß. Zuletzt rief er den Teilnehmern zu: wir müssen die Bürger mitnehmen und das Gespräch suchen, um sie von ihrem Irrweg abzubringen“.

Abschied

Frau Angelika Mattern geht in den Ruhestand. Über 14 Jahre arbeitete sie für die Fördergemeinschaft Braugerste. Neben der Kassenführung war sie mit organisatorischen Arbeiten in den Bereichen Braugerstenfahrt, -bonitur und dem –tag betraut. Der Vorsitzende ÖR Metternich bedankte sich für die Arbeit, die sie in den vielen Jahren geleistet habe. Bei den vielen Telefonaten, die er mit ihr führen durfte habe sie immer freundliche Worte gefunden. „Sie waren die „gute Seele“ auf der Geschäftsstelle“. Er wünschte ihr viel Freude und eine erfüllte Zeit.

Ferdinand Hoffmann, Mitarbeiter des DLR Rhein-Nahe-Hunsrück, wechselt ebenfalls in den Ruhestand. Er trat 1980 in den Landesdienst ein. Seit 2003 sei er für die Landessortenversuche verantwortlich. Seither bestehe eine enge Zusammenarbeit zwischen der Arbeit des Versuchswesens und der Fördergemeinschaft. Insbesondere ist die Braugertenfahrt immer eine gemeinsame Veranstaltung. Für diese intensive, vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit bedankten sich der Vorsitzende ÖR Metternich und sein Stellvertreter Dr. Georg Stettner herzlich. „Der Austausch mit ihnen war immer sehr sachlich-konstruktiv und deshalb sehr angenehm“, betonte Dr. Stettner am Schluss.

Neue Sorten

Bei der Feldbegehung war die 1. Station das Versuchsfeld der neuen Sorten. Nun hatten die Vertreter der Züchterhäuser die Gelegenheit, den Besuchern die Eigenschaften ihrer neuen Sorten vorzustellen.

Daniel Hagedorn, KWS Lochow stellte die Sorte Beckie vor. Hier präsentiere sich eine neue, vielversprechende Sorte mit sowohl guten agronomischen als auch brautechnischen Eigenschaften, betonte er.

Jürgen Adam, aus dem Hause Limagrain, stellte die Sorte Cervinia vor. Seine Firma habe nun den Vertrieb übernommen. Züchter sei die Firma Breun in Herzogenaurach. Im Jahre 2016 sei sie zugelassen worden. Die bisherigen Ergebnisse seien sehr vielversprechend. Deshalb habe die zukunfträchtige Sorte auch in diesem Jahr eine Empfehlung für den Anbau durch die Braugerstengemeinschaft erhalten.

Christian Kuczera, Syngenta Agro, betonte, dass die Sorte Laureate nun im Großtechischen Versuch stehe und sich großartig präsentiere. Diese Sorte überzeuge mit einem guten Vollgerstenanteil und eigne sich für viele Standorte.

Mit der Sorte Accordine könne die Saaten Union wieder eine neue agronomisch vielversprechende Sorte vorstellen, betonte Dirk Hämke. Insbesondere benötige sie wenig Wasser für gute Erträge. Auch sei sie nun für Testzwecke ins Berliner Programm aufgenommen worden.

Thomas Schmitz, Hauptsaaten, stellte zum einen die Sorte Avalon vor. Diese habe sich durchsetzen können und nehme mittlerweile in Rheinland-Pfalz bei der Fläche einen Anteil von fast 60% ein. Auf über 2.000 ha werde sie vermehrt. Der Sorte werde eine hohe Standfestigkeit und gute Sortierung zugesprochen. Zum andern stellte er die neue Sorte Leandra. Eine Sommergerste mit kurzem Stroh, einer gleichmäßige Abreife und einem hohen Vollgerstenanteile bei der Sortierung. Im nächsten Jahr werde mit der Zulassung gerechnet.

Landes-Sorten-Versuche (LSV)

Die nächste Station waren das Versuchsfeld worauf die LSV des DLR-Westpfalz. stehen. Ernst Schulz von der dortigen Dienststelle informierte zunächst über die Aufgaben und Ziele der Versuchsanstellung. Danach informierte er über die natürlichen Bodenqualitäten, Temperatur und Niederschläge. Am 27.02.17 wurden die vom „Technischen Ausschuss“ der Fördergemeinschaft für den Großversuchsanbau 2017 empfohlenen Sorten „Accordine“ von der Saatzucht Ackermann und „Laureate“ aus dem Züchterhaus Syngenta ausgesät. Außer den beiden stehen noch die Sorten RGT Planet, Marthe, Quench, Catamaran , Cervinia und Avalon im Versuch. Avalon diene hierbei als Vergleichssorte, erläuterte Schulz.

Großes Interesse zeigten die Teilnehmer an den Versuchen zu unterschiedlichen Stickstoffgaben. Hierzu werden die Sorten Avalon und RGT Planet verwendet. Ziel sei es die neuen Sorten dahingehend zu prüfen inwieweit sie mehr Stickstoff in Ertrag umsetzen und gleichzeitig die Vorgaben bei den Proteinwerten einhalten, gab der Pflanzenbauexperte zu verstehen. Höhere Erträge bedeuten natürlich eine bessere Wirtschaftlichkeit gegen über den anderen Kulturen, die in der Furchtfolge miteinander im Wettbewerb stehen.

Kollege Horst Häusler zeigte und informierte noch über einen Pflanzenschutzversuch in Biedesheim bei sehr unterschiedlichen Saatzeitpunkten auf einem Praxisfeld. Einerseits bringe die Frühsaat eine längere Vegetationszeit mit sich, die mehr Ertrag verspreche. Andererseits könne nach der Saat auftretender Frost die Bestände schädigen. Allerdings berichtete der Landwirt, dass er die Frühsaat schon 15 Jahre erfolgreich betreibe.

Praxisversuch

Die vom „Technischen Ausschuss“ für den Anbau empfohlenen Sorten werden auf jeweils 20 ha angebaut. In Flörsheim-Dalsheim wurde die Accordine angebaut. Sie zeigte ein gleichmäßiges Bild. Landwirt Schröder berichtete über die produktionstechnische Maßnahmen wie Aussaat, Saatstärke Düngung und Maßnahmen beim Pflanzenschutz. Unter dem über Monate anhaltenden Wassermangel haben die Bestände gelitten. Dies zeigte sich an den liechten Beständen und der schon weit fortgeschrittenen Abreife. Dennoch rechne er mit einem Mittleren Ertrag, schätzte Schröder.

Auf dem Acker von Landwirt Franz-Josef Nattermann in Ilbesheim baut in diesem Jahr die Fördergemeinschaft die Sorte Laureate an. Zunächst berichtet er, dass ein Unwetter mit Hagel den Pflanzen erheblich zugesetzt habe. Deshalb und wegen dem fehlenden Wasser zeigte sich dieser Schlag in einem schwächeren Zustand. Wegen der Zuckerrübe als Vorfrucht sei noch weniger Wasser aus dem Vorjahr zur Verfügung gestanden. Er rechne deshalb mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag, so Nattermann zu seiner Ernteprognose.

Regionale Bedeutung

Nach der Rückkehr in die Gemeindehalle in Lautersheim informierte Horst Häusler in seinem Impulsreferat über die Bedeutung des Braugerstenanbaus in der Region, die ökologischen Vorteile und die Wirtschaftlichkeit. Zunächst zeigte er Bilder zu unterschiedlichen Bodenverhältnissen, Stadien der Entwicklung und Krankheiten.

Danach spannte er den Bogen zur Welternährung. Für jeden Menschen standen 1950 für den Anbau von Nahrungsmitteln 6.000 m² zur Verfügung. Heute seien es weniger als 2.000 m². Angesichts der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung komme der intensiven Landbewirtschaftung eine existenzielle Bedeutung zu, betonte Häusler. „Nur mit dem Einsatz von Mineraldünger und von Pflanzenschutzmitteln könnten 10 Mrd. Menschen satt werden, die für das Jahr 2050 vorausgesagt sind“, brachte er es auf den Punkt. Der Flächenverbrauch für Wohnungen, Gewerbe und Verkehr betrage in Deutschland täglich 80 ha; dabei würden meist die fruchtbarsten Böden der Landbewirtschaftung entzogen. Dies gelte weltweit und würde die für die Ernährung zur Verfügung stehende Fläche weiter vermindern.

Der Anbau von Sommergerste habe in den letzten 15 Jahren erheblich abgenommen. Wurden um die Jahrtausendwende in Rheinland-Pfalz noch um die 100.000 ha mit dieser Kultur genutzt, so waren es im letzten Jahr gerade noch 35.000 ha. Gleiches gelte auch für seinen Dienstbezirk. 1999 hätten die Ackerbauern gut 11.000 ha mit Sommergerste bestellt, so sei der Anbau bis 2015 auf 3.730 ha zurück gegangen. In diesem Zeitraum habe sich also der Anbau um 2/3 vermindert, stellte er nüchtern fest. Entsprechend gingen die geernteten Mengen zurück, da die Erträge nur geringfügig angestiegen seien. Um die Jahrtausendwende wurden rund 48 dt/ha gedroschen, 25 Jahre später waren es mit 49,5 dt/ha kaum mehr. Um die Stickstoffgrenze einzuhalten würde sehr verhalten mit Stickstoff gedüngt; somit könne oft das genetische Ertragspotential nicht ausgeschöpft werden, erläuterte Häusler.

Die neue Düngeverordnung bringe Vorteile für den Sommergerstenanbau, da diese Kultur eine hohe Stickstoffeffizienz aufweise. Vergleichsweise geringe Stickstoffmengen brächten gute Erträge. Zu beachten sei auch der hohe Entzug von Stickstoff bei der Zuckerrübe als Vorfrucht. Mit Rübenmengen bis zu 1000 dt/ha, die heute von den Äckern gefahren werden, ergeben sich keine N-min Werte, wie sie bei der zukünftigen Düngebemessung unterstellt werden. Da müsse nachgebessert werden, betonte Häusler.

Der Preis bei der Braugerste habe sich in den letzten Monaten im Vergleich zur Futtergerste günstig entwickelt. Der Unterschied liege bei 5 €/dt. Ab einer „Risikoprämie von 4 €/dt werde der Anbau von Sommergerste für Brauzwecke interessant, so Häusler. Beim Vergleich von Brotweizen mit 17,2 €/dt und Braugerste betrage der Gleichgewichtspreis 19,8 €/dt. Dies bedeute: wenn die Braugerste einen um 2,6 €/dt besseren Preis als der Weizen bringe, so werde bei beiden Verfahren derselbe Deckungsbeitrag erzielt.

Bei der Betrachtung der Kosten für Düngemittel fällt auf, dass die Kosten beim Weizen bei 190 €/ha liegen und bei der Sommergerste wurden nur 70 €/ha ausgegeben; damit liegen die Kosten um 2/3 niedriger. Gleiches gilt auch beim Pflanzenschutz. Beim Weizen sind 185 €/ha zu kalkulieren, dagegen bei der Sommergerste mit 110 €/ha um 75 € weniger; diese entspreche nur 40 %.

Sowohl die Stickstoffdüngung als auch der Pflanzenschutz habe natürlich „Nebenwirkungen“, betonte der Referent. So gebt es bei der Düngung „unvermeidbare Verluste“, da nicht alle Nährstoffe in Biomasse umgesetzt werden. Und Pflanzenschutzmittel bekämpfen natürlich die Organismen, z.B. Schadpilze, die die Ernte gefährden. Naheliegend sei in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit der Einnahme von Arzneimitteln. Wirkung und Nebenwirkung gingen Hand in Hand.

Da diese „negativen Effekte“ bei weniger Mitteleinsatz geringer seien, würde sich der Sommergerstenanbau gerade für sensible Naturräume, z.B. Wasserschutzgebiete für den Anbau sehr empfehlen.

Dem Vortrag folgte ein Meinungsaustausch über die Anbauentwicklung, die Ernteerwartung in Menge und Qualität, die Marktversorgung, die Preisentwicklung und die ökologischen Vorteile des Braugerstenanbaus. Über alle diese Themen tauschten sich die Marktpartner der Wertschöpfungsgemeinschaft intensiv aus.

„Mit gemischten Gefühlen zu den Ernteaussichten könne man heute heimreisen“, so der stellv. Vorsitzende Dr. Georg Stettner in seinem Schlusswort. Wie sich die diesjährige Trockenheit auf die Erntemenge und Qualität auswirke würde sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn die Mähdrescher wieder ihre Arbeit verrichten. Wenn er die Meinungen, die er gehört habe, zusammenfasse, so komme er zum Ergebnis, dass wir von einer mittleren Ernte ausgehen können.

Mit dem Dank an die Teilnehmer für ihr Kommen und an die Personen, die die Veranstaltung organisierten schloss Dr. Stettner die diesjährige Braugerstenfahrt und wünschte allen eine gute Heimreise.

Karl Riedesser, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Fördergemeinschaft Braugerste

 

 

 

 

Die Pressemitteilung zum Braugerstentag 2016 finden Sie zum Download –>hier

 

(Sieger des Braugerstenwettbewerbs, vrnl: Staatssekretär Andy Becht, Vorsitzender Heribert Metternich, Stellvertretender Vorsitzender Dr. Georg Stettner)

 

 

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